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Kobalt als Gegenargument zur Elektromobilität

Jede Technologie hat ihre Nachteile: Verbrennungsmotoren leiden unter einem schlechten Wirkungsgrad und bringen fossilen Kohlenstoff in die Atmosphäre. Brennstoffzellen haben einen ebenfalls schlechten Wirkungsgrad, und die Gewinnung von Wasserstoff in großen Mengen ist alles andere als einfach. Und Batterien brauchen seltene Metalle, unter ihnen Kobalt (manchmal auch Cobalt geschrieben).

Und gerade Kobalt ist ein beliebtes Argument gegen Elektromobilität. Denn immerhin wird es in den Batterien benötigt. Sein Abbau ist dabei das Hauptproblem: Es kommt aus armen Ländern, wird häufig in Kinderarbeit gewonnen und unterstützt Regierungen, die es mit Menschenrechten nicht immer so genau nehmen.

All das kann man prinzipiell einmal nicht leugnen. Und das will ich auch gar nicht tun.

Interessant ist aber, wie einseitig diese Diskussion geführt wird. Denn jeder Handy-Akku, jeder Akku im Laptop, in einer aufladbaren Taschenlampe etc. enthält auch Kobalt. Es gibt einfach überraschend viele Leute, die E-Autos aus Prinzip ablehnen wegen dem bösen Kobalt, aber in der Hosentasche haben sie ein Handy stecken. So viel zum Prinzip.

Nun gut, die Mengenverhältnisse sind halt extrem unterschiedlich. E-Autos brauchen ganz einfach so viel davon. Aber: Noch im Jahr 2018 wurde deutlich mehr Cobalt in Batterien für mobile Devices verbraucht als in E-Autos. E-Autos holen natürlich schnell auf (und dürften mobile Anwendungen schon überholt haben), aber wo war der Aufschrei darüber, dass so viel Kobalt in Handy-Akkus enthalten ist?

Dann stellt sich aber die Frage, ob Kobalt auch noch andere Anwendungen hat als Batterien. Denn es wäre schon sehr scheinheilig, wenn man Kobalt in Batterien als Totschlag-Argument verwenden würde, gleichzeitig Kobalt aber in anderen Anwendungsbereichen einfach akzeptieren könnte, oder? Das klänge ja gerade so, als wollte man nur eine Begründung dafür finden wollen, E-Autos abzulehnen.

Dann kontrollieren wir einmal, was andere Anwendungsbereiche von Kobalt so sind (aus der Wikipedia inspiriert):

  • Pigment für (blaue) Farbstoffe
  • Bestandteil von Speziallegierungen (Superlegierungen)
  • Katalysator für zahlreiche Anwendungen

Und dann stößt man da plötzlich auf eine ganz interessante Anwendung: Kobalt als Katalysator bei der Hydrodesulfurierung. Und dieser Prozess, man höre und staune, entfernt den Schwefel in der Raffinierung von Erdöl. Soll heißen: Bei der Herstellung von Treibstoff wie Benzin und Diesel wird Kobalt eingesetzt, anscheinend sogar in recht großen Mengen: Cobalt Institute. Höchst interessant, nicht wahr?

Wenn Kobalt also als Argument hergenommen wird, um E-Autos zu verteufeln, dann kann es genauso gut dazu dienen, den Verbrennungsmotor zu verteufeln.

Als kleiner Nachsatz: Natürlich wird der Bedarf an Kobalt durch E-Autos in nächster Zeit stark steigen. Das hat schon sehr viel Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt, sodass viele Unternehmen mittlerweile ihre Supply Chain etwas umgebaut haben, sodass sie nur noch Kobalt aus ethischen Quellen beziehen oder beziehen wollen (wie zum Beispiel BMW). Darüber hat sich vor E-Autos kaum jemand Gedanken gemacht (schon gar nicht die Öl-Industrie anscheinend). Hier könnten E-Autos also sogar dazu beitragen, die Wertschöpfungsketten, die mit Kobalt hantieren, positiv zu beeinflussen.

Published inE-Autos AllgemeinUmweltschutz

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