Zum Inhalt springen

Warum Rekuperationsstufen Blödsinn sind

In so ziemlich jeder einzelnen Review über Elektroautos werden sie erwähnt: die Rekuperationsstufen. Sie sind einstellbar in mehreren Stufen, oft über Schaltwippen am Lenkrad, manchmal über das Menü. Sie werden dargestellt als das große Mittel zum Energie-Sparen. One-Pedal-Driving, also die Verzögerung bis zum Stillstand. Die Rückgewinnung der Energie in die Batterie ohne zu bremsen. Das hört sich alles sehr gut an.

Ich habe keine Ahnung, wo diese seltsame Fixierung auf diese Rekuperationsstufen herkommt, denn letztlich kosten sie nur unnötig Energie. Ja, das automatische Rekuperieren, wenn man vom Beschleunigungspedal steigt, ist eigentlich nichts Gutes. Ganz im Gegenteil: Es kostet Energie.

Das muss ich vielleicht genauer erklären, weil wieso sollte die ganze Industrie (und jeder einzelne Journalist zu diesem Thema) so versessen auf etwas sein, das nichts bringt?

Prinzipiell ist Rekuperation etwas Gutes: Anstatt zu bremsen und Energie in unbrauchbare Wärmeenergie an den Bremsen umzuwandeln, wird sie wieder in die Batterie zurückgespeist. Dabei ist jedoch wichtig, dass dieser Prozess nicht verlustfrei funktioniert. Rechnen wir hier zum Beispiel mit einem Wirkungsgrad von 60%. Also 60% der Bewegungsenergie, die beim Verzögern durch Rekuperation wieder zurückgewonnen wird, geht bei einem weiteren Beschleunigungsvorgang wieder in Bewegungsenergie über. Die Zahl von 60% ist eine Schätzung, die auf einem Test von BMW beruht: Link zum Heise-Artikel.

Wird bei einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor gebremst, geht fast die gesamte Energie (100%) verloren, bei einem E-Auto sind es immer noch 40%. Damit ist prinzipiell bei beiden das Bremsen nachteilig, denn in jedem Fall geht Energie verloren. Beim Verbrenner ist es noch wichtiger, beim E-Auto aber auch nicht unwichtig: das vorausschauende, möglichst gleichmäßige Fahren. Häufiges Beschleunigen und Verzögern kostet im Vergleich zu einer gleichmäßigen Fahrt Energie.

Womit wir wieder bei den Rekuperationsstufen sind: Am effizientesten ist es, wenn das Auto möglichst lang möglichst frei rollt. Wenn gebremst werden muss, dann sollte rekuperiert werden.

Was jedoch Rekuperationsstufen machen, ist, dass eine Fahrweise mit häufigem Beschleunigen und Verzögern begünstigt wird, denn wer steht schon immer perfekt gleichmäßig auf dem Fahrpedal? Wenn das Auto umgekehrt einfach gleitet, wenn man vom Fahrpedal steigt, dann das das die effizienteste Fahrweise. Beim Betätigen des Bremspedals wird ja sowieso rekuperiert, bei notwendiger Verzögerung wird die Energie also sowieso zurückgewonnen.

Das soll heißen: Rekuperation braucht man, um energieeffizient fahren zu können. Rekuperationsstufen sind aber sinnlos. Meiner Meinung nach ist der einzige Grund, warum sie so beliebt sind, weil sie das gewohnte Gefühl eines Verbrenners mit Motorbremswirkung imitieren – etwas, das eigentlich eine Schwäche des Verbrennungsmotors ist, denn diese Motorbremswirkung ist letztlich großteils Energievernichtung.

Persönlich fahre ich immer schon mit ausgeschalteter Rekuperation, also der niedrigsten Rekuperationsstufe. Und ich traue mich auch zu wetten, dass sich auch experimentell bestätigen würde, dass das Fahren mit einer höheren Rekuperationsstufe schlechter oder maximal gleich gut ist wie das Fahren mit der niedrigsten Stufe. Leider habe ich ein solches Experiment noch nicht gefunden.

Bis dahin mein Appell: Journalisten, verwendet nicht 10% eurer Screentime oder eures Artikels dafür, Rekuperationsstufen zu erklären, nutzt den freien Platz lieber für wichtigere Dinge. Ein paar Gedankenanstöße: Zum Beispiel sehe ich sehr selten erwähnt, ob ein Auto eine Wärmepumpe hat, oder wie stark die Onboard-AC-Lader sind, oder wie die Ladekurve eigentlich genau aussieht. Das alles ist viel relevanter als Rekuperationsstufen.

Published inE-Autos AllgemeinMedien

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code